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IDEENHAUS - Events 14. Mai 2019 Alle Jahre wieder: der Eurovision Song Contest (ESC). Das altersschwache Event trifft auf die hippe Stadt Tel Aviv

186 Millionen Zuschauern weltweit sahen den globalen Gesangswettbewerb 2018. Klingt gigantisch, doch wie attraktiv ist das Unterhaltungsformat tatsächlich? Kann die coole Stadt Tel Aviv dem vermeintlichen Mega-Event neue Strahlkraft verleihen?

Künstlich erzeugter Hype?

Auf den ersten Blick beeindrucken die globalen TV Zuschauerzahlen. In Deutschland waren es zuletzt allerdings mit 7,71 Millionen weniger als bei einem mittelmäßigen Tatort. Und auch beim Social Mednia affinen Publikum kann der ESC nicht wirklich punkten: Dem offiziellen ESC Instagram Account zeigt gerade mal 387.000 Follower und es gibt nur 1,5 Millionen Facebook Fans – global! Das deutsche Musik-TV-Format „The Voice of Germany" liegt mit seinen 1,2 Millionen Facebook Abonnenten gar nicht schlecht.

The show must go on

Die Attraktivität der Marke ESC sollte immer wieder durch Regeländerungen, insbesondere beim Voting, aufgefrischt werden. Allerdings scheinen hier die eigenen Marketingziele und weniger die Erhöhung des Spaßfaktors für die Zuschauer im Vordergrund zu stehen: So ist den „Big Five", Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien, die Teilnahme am Finale garantiert. Mehr Länder, mehr Zuschauer! Für Sponsoren eine lohnende Regel. Wissenswert ist, dass diese fünf Staaten gleichzeitig den größten finanziellen Beitrag zur European Broadcasting Union (EBU), das ist der Veranstalter des ESC, leisten. Nur böse Zungen würden hier das Wort „erkauftes Finale" benutzen ...

Es begann mit einer wunderbaren Idee

Die Wenigsten kennen den Ursprung des ESC, der als Grand Prix Eurovision de la Chanson, begann. Initiiert in der Nachkriegszeit, sollte er die „kulturell und emotional distanzierten europäischen Länder durch einen Kompositionswettbewerb enger zusammenführen". Seit 1956 bot der ESC große, musikalische Unterhaltung. Trotz aller Modernisierungsbemühungen wirkt das Konzept angestaubt. So könnte man die Einladung des 1990er-Jahre Popstars Madonna zur Show nach Israel als Rückwärtsgewandtheit interpretieren.

Auferstehung in Israel?

Das boomende Tel Aviv – vom Geheimtipp zur Top-Party Destination avanciert – verspricht einen Neustart. Tel Aviv, gerne TLV genannt, hat eine enorme Strahlkraft auf partyhungrige Menschen weltweit und steht unter anderem für Toleranz, Offenheit und Individualität.

Zu den Markenwerten des ESC gehören kulturelle Identität, Zusammengehörigkeit und natürlich die Musik. Doch das genügt nicht. Vielleicht färbt etwas vom einzigartigen Flair der Stadt Tel Aviv auf den Markenstil des ESC ab und haucht ihm neue Attraktivität und Leichtigkeit ein.

Vielleicht ist die Zeit der großen Samstagabend Unterhaltungsshows einfach endgültig vorbei. Die gute, alte, deutsche TV-Unterhaltungsmarke „Wetten, dass..." hat es trotz diverser Reanimationsversuche auch nicht geschafft.

Apropos „Wetten, dass ...": Der Kult-Moderator Thomas Gottschalk zeigt wieder Präsenz im deutschen TV in verschiedenen Sendungen. Und anlässlich seines 70. Geburtstags wird es 2020 eine Sonderausgabe von „Wetten, dass ..." geben. Hoffentlich keine Wiederauferstehung ...