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IDEENHAUS Digital 11. Februar 2019 Aus dem digitalen Gruselkabinett: Von der Netflix Dystopie zur chinesischen Realität

Netflix beliebte Serie „Black Mirror" spielt damit uns Zukunftsvisionen zu zeigen, die einem einen kalten Schauer über den Rücken jagen können. Sie zeigt Szenarien, die in Zukunft wirklich passieren könnten und mit unseren technischen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Gegebenheiten gar nicht mal so abwegig und trotzdem nicht wirklich erstrebenswert erscheinen. Die Episode „Nosedive" handelt von einer Gesellschaft, aufgebaut auf einem sozialen Bewertungssystem, in dem erwünschtes Verhalten belohnt und gegenteiliges bestraft wird. Jeder soziale Kontakt wird sofort vom Gegenüber bewertet, reichen die eigenen Credits nicht mehr aus, war es das mit dem Flugticket, der Universität und erst recht mit der sozialen Akzeptanz.

Was man wirklich nicht erleben möchte, sondern lieber in der Fiktion konsumiert und danach schnell ausschaltet testet China bereits in einigen Regionen in der Realität, um den großen Roll-Out 2020 umzusetzen.
Jeder muss mitmachen und bekommt ein Konto zugewiesen. Via großflächiger (Video-)Überwachung werden Menschen und ihr Verhalten beobachtet und geranked. Auch das Verhalten im Social Web, beim Versenden von Kurznachrichten und das Einkaufsverhalten sind Bewertungskriterien.

≈Zum WIRED Artikel

Direkte Wege in den Small Talk können dann sein: Darfst du dir noch ein Flugticket buchen, oder hast du deinen Müll vielleicht nicht vorbildlich getrennt oder in der U-Bahn zu laut Musik gehört? Und neben welchem Versager wohnst du eigentlich? Denn zur Überwachung kommt noch hinzu, dass Anschwärzen ausdrücklich erwünscht ist. Eine neue aktuelle Erweiterung des Bewertungssystems sorgt dafür, dass man sehen kann, wer in seiner näheren Umgebung Schulden hat. Sieht man die Person beim Geld ausgeben, kann man sie denunzieren und allen mitteilen, dass sie trotz Schulden einkaufen geht. Das war es dann mit der gewünschten Schule für die Kinder, denn auf die eigenen Punkte kann nicht nur die Regierung, sondern auch Institutionen, Fluggesellschaften und Unternehmen zugreifen.

Bewertungen sind auch bei uns nicht unbekannt und neu. Google Rezensionen, AirBnB oder auch Jameda, deren ganzes Konzept nur von Bewertungen lebt, enthalten Meinungen und Einschätzungen in Rating-Form. Auch hier kann man Menschen mehr oder weniger bewerten. Die Bewertung von Marken wiederum hat für selbige auch Vorteile. Kunden können mit Marken auf Augenhöhe kommunizieren und deren Angebote fast in Echtzeit kommentieren. Dadurch können sich Marken verbessern und ihre Zielgruppe besser kennenlernen. Das ist natürlich nicht ganz das System des Social Rankings, dennoch ein Bereich, in dem Bewertungen für uns im Alltag völlig normal sind. Das zeigt umso mehr, dass es wichtig ist digitale Errungenschaften nicht per se zu verteufeln. Doch, dass man sie verantwortungsvoll nutzen sollte und wie wichtig es ist, dort zu leben, wo keiner die gegebenen Möglichkeiten ausnutzt, wird in diesem Beispiel mehr als deutlich. Neue Technologien bringen Menschen nicht nur näher zusammen, erweitern ihre Möglichkeiten, bereichern ihr Leben, sondern können sie auch isolieren und zu einem völlig neuen Verständnis von Gemeinschaft und Gesellschaft beitragen und so zu einer echten Realität fernab vom Netflix-Marathon werden.