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IDEENHAUS - Trends 15. Mai 2020 Tired of Zoom? Unser Gehirn ist schuld

Video-Calls über Zoom, Teams oder Slack sind heute zum Instrument der Wahl geworden, wenn es um Business-Meetings, Verabredungen, Samstag Abende oder sogar Konzerte geht. Zoom und Co haben uns geholfen mit unseren Freunden, Kunden und Partnern in Kontakt zu bleiben und somit in den letzten Monaten den Anschein von Normalität gegeben: der Highway ins NewNormal.

Alles neu, aber nicht bedingungslos besser.

Bei Interaktionen mit Menschen über den Bildschirm, muss unser Gehirn aber auch deutlich härter arbeiten. Zeichen, Gerüche, Lichtstimmung, Gestik oder auch die Atmosphäre im Raum verpassen wir im virtuellen Treffen. Dabei sind das genau die Dinge, die unserem Gehirn im wirklichen Leben helfen, die Situation einfacher zu verstehen und zu verarbeiten.

Die höhere Anstrengung im Gehirn bewirkt, dass wir mentale Abkürzungen nehmen, was zu Fehlern führen kann. So hat eine Studie gezeigt, dass Mediziner, die per Videokonferenz an einem Seminar teilnahmen, sich eher darauf konzentrierten, ob ihnen der Vortragende gefiel, während diejenigen, die persönlich anwesend waren, sich auf die Qualität der Argumente des Vortragenden konzentrierten.

woman in black long sleeve shirt using her macbook

Eine weitere Studie über die Interaktion zwischen Schülern und Lehrern ergab, dass bei einer mündlichen Prüfung, die über eine Videoverbindung durchgeführt wurde, Schüler, die bereits dazu neigten, sich ängstlich zu fühlen, noch ängstlicher wurden als bei einer Prüfung von Angesicht zu Angesicht. Infolgedessen schnitten sie tendenziell schlechter ab. Die Ängstlichkeit der Studierenden wurde verstärkt, wenn sie ein großes Bild von sich selbst auf dem Bildschirm sehen konnten.

Wir müssen lernen!

Allein die Verzögerung von einer Sekunde kann uns glauben machen, dass die Menschen am anderen Ende weniger freundlich sind. Videokonferenzen fordern uns emotional also deutlich stärker als direkte Treffen.

Das Verhalten von Menschen und die Auswirkung der "neuen" Normalität auf unsere Wahrnehmung sind enorm wichtig, um die Zukunft unserer Kommunikation und die Art der Kommunikation zu definieren und nachhaltig zu gestalten. Ob Meetings, Workshops, Webinare oder virtuelle Messen – wir dürfen jetzt neue Maßstäbe und Konzepte entwickeln, die unser Gehirn beflügeln und inspirieren, anstatt zu ermüden. Die Success Codes für die Zeitrechnung nach Corona.

Bilder von Julia M Cameron und Anna Shvents auf Pexels
Inhaltliche Quellen: Videoconferencing in the filed: a heuristic processing model (Carlos Ferran, Stephanie Watts), Finding endless video calls exhausting? You're not alone (Andre Spicer Professor of Organisational Behaviour, Cass Business School, City, University of London), Communication via Videoconference: Emotional and Cognitive Consequences of Affective Personality Dispositions, Seeing One's Own Picture, and Disturbing Events (Jurgen Wegge)