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IDEENHAUS - Trends 19. März 2020 Zero Waste: ein langer Weg. Aber es gibt smarte Ideen. Und Du bist der Anfang!

Fast ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landen im Müll. Und dabei sind nicht die Gastronomie oder der Handel die Hauptverursacher.

Es ist jeder Einzelne!

Stell dir einen Stapel von sieben Kästen Mineralwasser vor. Das entspricht ungefähr der Menge der Lebensmittel, die jeder von uns pro Jahr wegwirft. Das sind rund 85 kg! Doch vieles davon wäre definitiv noch genießbar! Die Tatsache, dass in Deutschland fast 13 Millionen Menschen in Armut oder an der Armutsgrenze leben, macht diese Fakten noch unbegreiflicher.

Frankreich als Vorbild

Frankreich hat 2015 als erstes Land der Welt die Verschwendung von Lebensmitteln durch den Groß- und Einzelhandel unter Strafe gestellt. Die unverkaufte Ware, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, soll an karitative Einrichtungen gespendet, als Tiernahrung genutzt oder zu Kompost verarbeitet werden.
Bei Verstoß drohen Geldstrafen. Tschechien ist dem Beispiel Frankreichs gefolgt und hat ein ähnliches Gesetz auf den Weg gebracht. Deutschland hingegen setzt auf Freiwilligkeit.

man lying on garbage pile in aerial

Leider ist das Gesetz in Frankreich keine reine Erfolgsgeschichte. Der Großhandel reagierte mit Unverständnis auf das neue Gesetz, da er bereits der größte Spender von Lebensmitteln ist und nur für 5 % der gesamten, verschwendeten Lebensmittel verantwortlich sei. Die Statistik des Europaparlaments stützt diese Aussage. Über die Hälfte der Verschwendung geht auf uns, also die privaten Haushalte, zurück, gefolgt von Unternehmen der Lebensmittelverarbeitung und dem Catering Business.

Recycling hilft dem Klima

Neben der Absurdität, dass wir essbare Lebensmittel wegwerfen und gleichzeitig Menschen hungern, kommt ein weiterer Faktor dazu: Der Klimawandel.
Der Anbau von Gemüse und Getreide, die Haltung von Kühen, das Backen von Brot und die dazugehörige Logistik produzieren enorme Mengen CO2 und brauchen Energie. Würden die vorhandenen Lebensmittel besser genutzt, dann müsste nicht so viel produziert werden und das Klima wird geschont. Neue Konzepte sollen dabei helfen.

Intelligente Apps vernetzen

Die App eat smarter empfiehlt Rezepte zur Resteverwertung. Ähnlich wie die Plattform zugutfuerdietonne.de, die vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung initiiert wurde.

Bei too good to go bekommen Nutzer kurz vor Küchenschluss von den teilnehmenden Restaurants angezeigt, ob übrig gebliebenes Essen abgeholt werden kann. Gegen einen kleinen Obolus kann man eine Restebox mitnehmen. Ähnlich funktioniert die foodsharing App. Sie hat private Haushalte im Fokus.

Wer lieber selbst kocht und für den die inneren Werte zählen, der kann mit "Etepetete" Gemüse beim Bio-Bauern bestellen, das nicht handelsnormgerecht ist. Hier gibt es krumme Zucchini oder Äpfel, die nicht wie aus der Schablone gepresst aussehen, aber geschmacklich ihren Normgerechten in nichts nachstehen.

two carrots

Bei allen diesen neuen Konzepten und Apps sollte der Unterstützer von 1,65 Millionen bedürftigen Menschen in Deutschland nicht unerwähnt bleiben: Die Tafel. Bereits seit 1993 ist der Verein aktiv, um Lebensmittel-Recycling und soziales Engagement zu vereinen.

Trotz dieser Bemühungen gibt es immer wieder extreme Fälle von Lebensmittelverschwendung. Die Tankstellenkette Aral mit ihren integrierten rewe to go Filialen wirft, Berichten der ZEIT zufolge, massenweise Lebensmittel im Wert von mehreren Millionen Euro pro Jahr weg.

Aus der Not eine Tugend machen

Ein Berliner Restaurant macht aus der Lebensmittelverschwendung ein Geschäftsmodell. Im restlos glücklich wird nur mit Nahrungsmitteln gekocht, die sonst in der Mülltonne gelandet wären. Die Karte wechselt täglich, je nach Versorgungslage. Dabei kann es auch mal edel zugehen, wenn beispielweise bereits geöffnete Flaschen von einer Weinprobe recycelt werden und das "Müll Menü" adäquat begleiten.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, der kann das Zero-Waste Bier Knärzje von Start-up Gründer Daniel Anthes probieren. Der Name leitet sich von der hessischen Bezeichnung für das Endstück beim Brot ab und wird aus eben diesem gebraut. Prost!

Etwas ironischer widmet sich der Rapper Alligatoah dem Thema. Seht selbst:

Bildquelle: Hermes Rivera, Jordan Beltran und Markus Spiske auf Unsplash