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Sexismus

#metooagain

#metooagain

24.03.21

Brandaktuell – #metoo
Moment, haben wir das nicht schon 2017 geklärt? Anscheinend nicht. Wäre auch zu schön gewesen, wenn Gewalt gegen Frauen nicht mehr der Rede wert ist. Strukturelle Gewalt und das Ausnutzen von Machtverhältnissen rücken angesichts der aktuellen Anschuldigungen gegen Julian Reichelt wieder in den Fokus.

Verschobene Berichterstattung

Wobei eigentlich nicht die Missstände an sich von den Medien thematisiert werden. Viel mehr werden die Fehltritte eines Einzelnen angeprangert. Sexismus wird so als schlechter Charakterzug dargestellt, anstatt als das was es ist – ein allgegenwärtiges Problem. Die zahlreichen Betroffenen und das Problem als Ganzes spielen in der Berichterstattung nur eine nebensächliche Rolle. Die über 100.000 Frauen allein in Deutschland, die jährlich Opfer von Gewalt werden, sind wohl nicht reißerisch genug für die Boulevardmedien. Eine Geschichte mit dem Titel „Zerstörung Julian Reichelts" eignet sich da schon mehr, die Sensationslust zu stillen. Am Ende des Tages berichten die Medien aber auch nur das, was sich verkauft.
Also sind wir einmal ehrlich, welchen Stories schenken Sie Ihre Aufmerksamkeit?

Der Einfluss des Einzelnen

Auch in Bezug auf die Marke Bild ist es erstaunlich, wie stark einzelne Personen prägend sind. Julian Reichelt hat 2017 die Nachfolge von Kai Diekmann angetreten. Auch dieser wurde damals von KollegInnen der sexuellen Belästigung beschuldigt. Unter Reichelt wurde die Bild wieder zum Kampfblatt – laut, aggressiv und reißerisch. Klar, große Emotionen treiben die Auflage in die Höhe. Aber wie viel Krawall verträgt eine Marke? Und wie steht es dann noch mit der Glaubwürdigkeit?


Während die Linie des Blatts wohl bewusst gewählt ist, färben nun auch die Anschuldigungen gegenüber Reichelt unweigerlich auf die Marke Bild ab. Die Freistellung des Einzelnen wird wohl nicht reichen, um das wieder gerade zu biegen. Ist die Benennung von Alexandra Würzbach als Nachfolgerin hier ein Schritt in die richtige Richtung oder lediglich ein Versuch die Gemüter zu beruhigen?

Protect your daughter – Educate your son

Wie kann Gewalt gegen Frauen verhindert werden? Statt Protect your daughter wird momentan Educate your son geprädigt. Die Botschaft ist klar: Erzieht eure Söhne, damit Frauen gar nicht erst beschützt werden müssen. Das verdeutlicht einerseits, dass Prävention schon im Kindesalter beginnt. Und andererseits, dass Schutzmaßnahmen, die Frauen ergreifen, nichts am Ursprung des Problems verändern. Aber kann Erziehung allein Gewalt wirklich verhindern?


Meike Watzalwik, Professorin an der SFU Berlin, betont, dass bestehende Geschlechtsstereotypen beseitigt werden müssen. Diese ermöglichen es nämlich, dass Männer vor allem auch im beruflichen Umfeld Machtpositionen einnehmen und andere dadurch als schwächer wahrnehmen. Leider reicht Erziehung nicht aus, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen. Aber es ist ein Anfang! Wenn Kindern nicht von klein auf eingebläut wird, dass Buben nicht weinen und nur Mädchen pink mögen, profitieren alle davon. Frauen werden nicht in eine schwächere Position gedrängt und Männer werden vom Erwartungsdruck stark sein zu müssen, befreit. Kurz gesagt, jeder kann seine Identität frei entfalten!


Bis dahin liegt wohl noch ein langer Weg vor uns. Unser Appell an dieser Stelle: Hinterfragen Sie! Nicht nur gesellschaftliche Normen, sondern auch Ihr eigenes Verhalten.

Bildnachweis

Foto von lucia auf Unsplash

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