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Clothing waste

Vom Schaufenster in den Mülleimer

Vom Schaufenster in den Mülleimer

04.02.21

Was passiert eigentlich mit den Kollektionen, die wir aktuell nur vom Schaufenster aus betrachten können?

Man könnte meinen: Sie wird verkauft, sobald die Einzelhändler und großen Modehäuser ihre Pforten wieder öffnen dürfen. Ganz so einfach ist das leider nicht. Aktuell gibt es eine Diskussion, die das Konsumverhalten in Bezug auf die Mode-Industrie langfristig verändern könnte.

Wie der Stein ins Rollen kommt

Die Modebranche ist eine der dynamischsten Industrien unserer Kultur und Gesellschaft. Hängt die Frühjahrs-Kollektion bereits auf den Kleiderstangen der großen Modeketten, so liegt die Herbst- und Wintermode schon in den Lagern. Die Konzerne haben nur wenige Wochen Zeit, die aktuelle Kleidung zum Originalpreis zu verkaufen. Dann geht es schon in die heiße Phase des Schlussverkaufes. Ja, wir tragen dazu bei, denn jeder Trendsetter will die neuste Mode an sich tragen.


Was nicht verkauft wird, kann auch nicht zurück ins Lager! Wohin mit Millionen Kleidungsstücken allein in Deutschland? Sie werden durch Dritthändler in nicht EU-Länder günstig weiterverkauft oder werden geschreddert und verbrannt.


Richtig gelesen! Pro Jahr werden eine halbe Milliarde Kleidungsstücke vernichtet.

Wer trägt schon einen Anzug im Home-Office?

Das Vernichten von Kleidung scheint nicht nur unwirtschaftlich, sondern für die Umweltaktivisten von Greenpeace vor allem eines - umweltschädigend. Sie befürchten, dass die Bekleidungsindustrie nach dem Lockdown noch mehr Kleidung vernichten muss. Zum einen, weil die Händler ihre Waren nicht verkaufen konnten und eine gesamte Frühjahrs-Kollektion unverkauft in den Läden hängen bleibt. Zudem die Konsumenten momentan auch weniger Kleidung benötigen. Im Home-Office werden eben weniger Anzüge und schicke Blusen getragen. Ebenso leidet das Sortiment in der Abendbekleidung. Keiner wird so schnell ins Theater, in ein Konzert oder auf eine schicke Gala gehen. Ergo die Nachfrage in diesem Segment sinkt immer mehr.


Mit einer eindringlichen Bitte an die Minister richtet sich Greenpeace nicht nur allein an die Modeindustrie, sondern auch an die Politik. Der Gedanke um Fair Fashion, Nachhaltigkeit und vor allem, was mit unverkaufter Ware passiert, ist in unseren Augen enorm wichtig.


Doch auf der anderen Seite muss auch die Situation der Mode-Branche und Einzelhändler in diesem Bereich kritisch gesehen werden, denn für sie ist nicht nur die Situation des Lockdowns eine existenzgefährdende Herausforderung, sondern auch die zusätzlich enormen Kosten durch das „Vernichtungsverbot".


Es bleibt sehr spannend wie diese Diskussion weitergeht. Greenpeace hat hier einen großen Stein ins Rollen gebracht, der auf beiden Seiten kritisch hinterfragt werden muss.

Fotos von Rene Böhmer und Cherie Birkner auf Unsplash

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